Imagefilm: Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

Kurzfilm: Erzgebirgisch - Ein Lebensgefühl wird Weltkulturerbe

 

1. Am Welterbe-Projekt beteiligte Landkreise, Städte u. Gemeinden

   Insgesamt drei Landkreise sowie 33 Städte und Gemeinden haben seit Januar 2016 im Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V. die Trägerschaft und Finanzierung für das UNESCO-Welterbeprojekt übernommen. Damit wurde der Welterbekonvent Erzgebirgeoffiziell abgelöst, der in 2011 mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag gegründet wurde und als Entscheidungsträger fungierte.

2. Stand der Antragseinreichung und Zeitplan bis zur Entscheidung

   Das Prüfverfahren seitens der UNESCO wurde am 1. Februar 2015 begonnen, indem die Unterlagen gesichtet und ausgewertet wurden. Im Herbst 2015 konnten zwei internationale Gutachter im Erzgebirge begrüßt werden, die anschließend eine Empfehlung an das Welterbekomitee der UNESCO formuliert haben.

Aufgrund von weiteren Fragen zum Welterbeantrag, die sich aus dem Prüfverfahren ergeben haben, befindet sich die Region seit Ende November 2015 im Abstimmungsverfahren mit dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS).

Der weitere Zeitplan sieht vor, dass ICOMOS bis Ende März 2015 eine offizielle Empfehlung für das UNESCO-Welterbekomitee vorbereitet. Diese Empfehlung bildet die Grundlage für die Entscheidung des Komitees auf der diesjährigen Sitzung in Istanbul.

3. Nominierte Bestandteile im sächsisch-tschechischen Welterbeantrag

   Insgesamt wurden 85 Bestandteile ausgewählt, die die historischen Bergbau- und Montanlandschaften des sächsischen und böhmischen Erzgebirges repräsentieren. 79 Bestandteile befinden sich auf sächsischer, sechs auf tschechischer Seite. Sie verdeutlichen den prägenden Einfluss der jahrhundertelangen Bergbauaktivitäten auf die Entwicklung von Landschaft, Kultur und Gesellschaft. Die 79 sächsischen Bestandteile können 39 regionalen Elementen zugeordnet werden.

Drei bestimmende Hauptmerkmale charakterisieren die nominierten Bestandteile spezifisch: die außergewöhnliche Rohstoffvielfalt, die zeitliche Dimension von über 800 Jahren Bergbau und die große Bandbreite an montanen, industriellen und kulturellen Sachzeugen sowie die damit verbundenen kulturellen Werten und Facetten.

Zu den Bestandteilen gehören herausragende Beispiele von Bergbaulandschaften einschließlich Flora und Fauna, über- und untertägige Anlagen (u.a. Stolln, Hammerwerke, Fördergerüste, Pochwerke), Bergstädte sowie Bergsiedlungen mit ihren bedeutenden sozialen, industriellen, kulturellen und wissenschaftlichen Aspekten, aber auch Einzeldenkmale, Gebäudegruppen oder lineare Strukturen (Kunst- bzw. Floßgräben).

4. Die 7 Facetten der „Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří“

   Der 800-jährige Bergbau im Erzgebirge hat bis heute zahlreiche Montandenkmale hervorgebracht. Neben der Landschaft wurden aber auch die Architektur, Kunst, Kultur sowie Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entscheidend vom erzgebirgischen Bergbau geprägt. Diese nachhaltige Prägung einer ganzen Region durch das Montanwesen ist bis heute an einer Vielzahl historischer Sachzeugen sowie landschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Merkmale abzulesen.

Die Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoři unterscheidet sich durch diesen Facettenreichtum an materiellen und immateriellen Gütern und Werten auf einzigartige Weise von anderen industriellen Kulturlandschaften in Deutschland und der Welt.

Die 7 Facetten:

  • Über- und untertägige Montandenkmale
  • Bergbaulandschaften mit Flora und Fauna
  • Bergbaufolgeindustrie und -gewerbe
  • Bergstädte, Siedlungen und Baudenkmale
  • Kunst, Musik und Literatur
  • Volkskunst, Brauchtum und Kunsthandwerk
  • Bildung, Wissenschaft und Landespolitik

5. Element 17 „Saigerhüttenkomplex Grünthal“

   Das Ensemble der Saigerhütte Grünthal mit seinem umfangreichen Bestand an Gebäuden und Produktionsstätten ist im europäischen Maßstab ein einzigartiger Sachzeuge der Verhüttung und Verarbeitung von silberhaltigen Kupfererzen. Nahezu alle zu dieser Anlage gehörigen Bauten sind erhalten, dazu gehören Nebengebäude wie Wohnhäuser, Mühle, Brauhaus, Bauten der Energieerzeugung u.a., welche noch teilweise von einer Mauer mit Torbauten umschlossen sind.

Die Saigerhütte Grünthal war ein selbständiges Gemeinwesen mit eigener Gerichtsbarkeit. Der Standort deckte verschiedene Bereiche von der Produktion, der Verarbeitung, der Verwaltung, des Wohnens und des sozialen Lebens ab. Sämtliche Einzeldenkmale stehen unmittelbar im Kontext zur historischen Entwicklung des Standortes und spiegeln einen wesentlichen Aspekt der Montangeschichte wider. Die Saigerhütte steht stellvertretend für die Geschichte des vorindustriellen Hüttenwesens im Erzgebirge. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Saigerhütte ein bedeutender Produktionsstandort für Silber und Kupfer. Die besondere Bedeutung der Saigerhütte liegt in der Verhüttung von silberhaltigen Kupfererzen im sogenannten Saigerverfahren.