Unser Nachbar war im Besitz einer Brettmühle, eines Fuhrgeschäftes und einer bäuerlichen Wirtschaft. Wir würden heute sagen, für uns Kinder war es ein Erlebnishof, der viele Freiheiten bot. Auf dem Klötzerplatz spielten wir Verstecker, auf der Wiese gab es Spiele aller Art und der Mühlgraben lud zum Plantschen ein. Das Einholen von Heu war für uns Kinder ein großes Fest. Die beladenen Heuwagen wurden in die Tenne der Scheune gefahren. Natürlich musste das Heu vom Wagen zum Dachboden transportiert werden, um es bis zum Verfüttern an die Tiere zu lagern. Zur Erleichterung dafür hatte der Besitzer einen Heuaufzug einbauen
lassen. Wurde dieser eingesetzt, kam ein Greifer herunter, ergriff einen Pack Heu, wurde nach oben gezogen und anschließend durch die Öffnung waagerecht nach dem hinteren Teil der Scheune transportiert.

Am Abladepunkt stellten wir Kinder uns rasch hin, es gab einen Klick und das Heu fiel auf uns herunter. Wir Kinder waren mehr oder weniger verschwunden. Dann kamen wir als Heumonster wieder fröhlich hervor. Das war ein Gaudi! War ein Heuwagen leer, setzte sich das Vergnügen anders fort. Wir erklommen den hinteren Heuberg, stellten uns auf einen Balken davor und hüpften zwei, drei Meter in die Tiefe. Dabei mussten wir aufpassen, dass wir beim Vorspringer nicht als Rucksack auf ihm landeten.

Wurde kein Heu mehr nach oben befördert, zogen wir traurig wie Dreckspatzen nach Hause. Dort gab es statt Donnerwetter die Aufforderung, einen Zuber mit Wasser, Seife und Lappen zu holen und sich hineinzustellen. Was dann ein Erwachsener unternahm, weiß jeder Leser. Mit Vergnügen hatte das nichts zu tun.

Hallbacher Chronik, Hanni May