Die Beschränkungen durch die Maßnahmen gegen Corona stellen für den Großteil der Menschen eine enorme Herausforderung dar. Für viele ist dieser 2. Lockdown durch fehlende soziale Kontakte, ein erhöhtes Stresserleben zum Beispiel durch geschlossene Einrichtungen der Kinderbetreuung, finanzielle Belastungen, Existenz- und Zukunftsängste, Sorge um die Gesundheit, Isolation durch Quarantäne oder anderes, deutlich anstrengender. Wenn darunter die Lebensfreude leidet, dann bietet sich Alkohol als Tröster und zur Entlastung an. Ein schönes Glas Wein oder ein Bier bringen dann Entspannung und geben das Gefühl sich selbst etwas Gutes tun zu können.

Die Suchtberatung der Diakonie ist weiterhin für alle Interessierte, Angehörige oder Hilfesuchende geöffnet und bietet kostenlos und unter Einhaltung der Schweigepflicht Gespräche (auch in den Außenstellen in Zschopau oder Olbernhau) an. Eine Terminvereinbarung ist während der Sprechzeiten persönlich (in Marienberg) oder unter 03735-6092030 möglich.

Es erfordert schon einigen Mut, sich in einer „Suchtberatung“ zu melden. „Ich? … bin doch nicht süchtig!“ Tatsächlich werden viele Menschen auch dann nicht abhängig, wenn sie vorübergehend mal etwas mehr getrunken haben – aus welchen Gründen auch immer. Allerdings kann man das im Vorfeld nie so genau sagen. Und aus unserer Sicht verdient es höchsten Respekt, sich einem (möglicherweise beginnenden?) Problem zu stellen. Bevor eine Sucht entstehen konnte!

Aktuelle Daten scheinen einen erhöhten Alkoholkonsum zu bestätigen. Zwangsläufig verlagert sich der Großteil des Trinkens in die eigenen 4 Wände, da Lokale und Kneipen weiterhin geschlossen sind. So gab es nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung im 1. Lockdown einen Anstieg des Alkoholverkaufs an Privatpersonen allein in den KW 9-11 um 6,1 Prozent. 35% der Erwachsenen tranken mehr und viel mehr Alkohol, 42% rauchten mehr oder begannen damit. Wir gehen aktuell davon aus, dass in dem nun deutlich länger andauernden Lockdown diese Zahlen nicht viel besser sind. Mit dem erhöhten eigenen Stresserleben erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit des Konsums von Tabak, Alkohol oder anderen Suchtmitteln.

Für sich selbst herauszufinden, ob das eigene Trinken noch okay ist, ist nicht immer ganz einfach. Haben sich Ihre Gewohnheiten verändert? Sorgen Sie oder andere sich um Ihr Trinkverhalten? Oder sorgen Sie sich um einen Angehörigen? Ein gemeinsames Gespräch kann hier Klarheit bringen, ob das eigene Handeln oder das von Angehörigen alles noch unproblematisch ist oder sich vielleicht schleichend zu einem zusätzlichen Problem entwickelt. Ein wohlwollendes und zugewandtes Gespräch kann dabei helfen die eigene Belastung zu senken,  Alternativen zu finden und gut für sich selbst zu sorgen - ohne sich zu schaden. Das gilt natürlich auch für alle anderen Suchtmittel oder Verhaltensweisen, die kritisch werden können, wie Kaufen, Mediennutzung, Essen, Drogen oder Medikamente.