Am 2. Juni 1962 ging ein lang gehegter Wunsch der Dörnthaler Bevölkerung in Erfüllung. Der neue Kindergarten erlebte seine feierliche Eröffnung.

Die Bemühungen um die Betreuung und Unterbringung von Kindern erwerbstätiger Eltern durch die Gemeinde begannen jedoch schon viel früher. Bereits 1939 beschloss die Dörnthaler Gemeindevertretung das Biedermannsche Grundstück – heute das Heimatmuseum – für monatlich 30 RM zu mieten und eine Kinderbetreuung zu organisieren, damit die Frauen ebenfalls berufstätig werden konnten. Es waren damals nur 10-15 Kinder, die dieses Angebot nutzten. Die materiellen und finanziellen Möglichkeiten waren sehr bescheiden. In dem Durcheinander nach Kriegsende wurden die gesamten Einrichtungsgegenstände entwendet und jeder kleine Raum für die Unterbringung der nach und nach eintreffenden Vertriebenen genutzt. Bis Ende der vierziger Jahre gab es für die Gemeinde ganz sicher wichtigere Probleme als Kindergartenplätze zu schaffen.

In den fünfziger Jahren stellte die Gemeindeverwaltung fast jedes Jahr einen Antrag - zuerst an den Kreis Freiberg, später an den Kreis Marienberg - zum Neubau eines Kindergartens. In den meisten Fällen erfolgte die Ablehnung wegen fehlender finanzieller Mittel oder wegen nicht vorhandener Bauhauptleistungen. Auch die vorgeschlagenen Standorte waren nicht immer geeignet (altes Ehrig-Gut, ehemals Bieber, Gerhard, das Erbgericht oder eine Schulbaracke). Ende Mai 1958 wurde auf Initiative der Bauern im Ort wenigstens ein Erntekindergarten gegenüber dem Pflegeheim eingerichtet (heute am FAH 3). Als Leiterin wurde kurzfristig Hertha Grimmer gewonnen. Bis zu 20 Kinder konnten dort untergebracht werden. Wie sollten aber die Kleinen vom Oberdorf bis zum Ende des Niederdorfes gelangen? Die neu gegründete LPG musste aushelfen. Dass es sich dabei nur um eine provisorische Lösung handeln konnte, war allen Beteiligten klar.

Im Frühjahr 1959 konnte Bürgermeister Weidensdörfer endlich bekannt geben, dass der Bau eines Kindergartens in Dörnthal mit 40 Kindergarten- und 25 Hortplätzen im Perspektivplan des Kreises von 1959-65 enthalten ist. 140.000 DM sollten dafür aus dem Kreishaushalt kommen, für 100.000 DM sollte die NVA Bauleistungen erbringen und 30.000 DM sollten im NAW (Nationales Aufbauwerk) durch die Einwohner geschaffen werden. In der Folge mussten viele Schwierigkeiten überwunden werden. So hielt sich die Baufirma Keinert aus Pockau nicht an ihre Termine, auch fehlte es öfters an Material. Dazu kam, dass der Baugrund aus Felsen bestand und erst durch ein Sprengkommando der Armee gelockert werden konnte. Auch fehlte es an einem geeigneten Bauleiter, der ständig vor Ort war. So kam es, dass bis zum Ende Ende des Jahres 1959 nur die Baugrube ausgehoben war. Im Frühjahr 1960 begann die Baufirma endlich mit den eigentlichen Baumaßnahmen. Es waren im Durchschnitt 5 Bauarbeiter eingesetzt. Von der LPG wurden für 14 Tage zwei Zimmerleute zugesichert. Im Herbst des Jahres war das Erdgeschoss größtenteils fertig und im darauf folgenden Frühjahr konnte Richtfest gefeiert werden. Im Sommer 1961 wurde nach der Überwindung neuer Schwierigkeiten endlich das Ziegeldach fertig gestellt. Der Innenausbau und die Beschaffung der Inneneinrichtung zogen sich dann noch bis ins Frühjahr 1962 hin. Dann war es endlich so weit. Ein lang gehegter Wunsch der Dörnthaler Bevölkerung ging am 02.06.1962 mit der Einweihung des neuen Kindergartens verbunden mit einem Kinderfest endlich in Erfüllung. Bei seiner Ansprache lobte Bürgermeister Weidensdörfer vor allem die Unterstützung durch die Einwohner und die NVA Marienberg. Im NAW (freiwillige und unentgeltliche Arbeitseinsätze) wurde ein Wert von 60.606 DM geschaffen. Davon erarbeiteten die Soldaten rund 26.000 DM, den Rest unsere Einwohner. Nach den Dankesworten des Bürgermeisters an alle Beteiligten übergab er den Schlüssel an die Leiterin des neuen Kindergartens Leonore Busch aus Olbernhau. Diese Funktion musste sie im Jahr 1969 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Ihre Nachfolgerin wurde im gleichen Jahr Annelie Pauly für die Zeit von 35 Jahren bis 2004. Ihr folgte Kathleen Müller nach, die inzwischen auch schon wieder fast 18 Jahre Leiterin der Kindertagesstätte in Dörnthal ist.

Als Gruppenerzieherinnen arbeiteten über lange Zeit Anni Müller, Annelie Pauly, Erika Walther, Ursula Drechsler und Inge Brauner, während Rosi Lieber, Elke Felber und Rotraut Illgen nur kurzzeitig hier tätig waren. Als Helferinnen standen Traudel Treutler und Thea Börner einige Jahre zur Verfügung. Der neue Kindergarten hatte eine Kapazität von 59 Kindern, die in 3 Gruppen eingeteilt waren. Es kamen 47 aus Dörnthal, 7 aus Haselbach und 5 aus Pfaffroda.

Sie nahmen den Kindergarten und die große Außenanlage mit viel Freude und Temperament in Besitz. Mit den Erziehern wurde gespielt, gebastelt und gesungen. Kleine Programme wurden eingeübt und zu bestimmten Anlässen aufgeführt. Zu Weihnachten, Fasching, Ostern und zum Kindertag fanden Feiern statt, die von Eltern unterstützt wurden. Doch schon wenige Monate nach der Einweihung wurde die Freude getrübt. reichlich 20 Kinder durften für längere Zeit den Kindergarten nicht besuchen, weil die Maul-und Klauenseuche in Dörnthal ausgebrochen war und sie im Sperrgebiet wohnten. In der Nähe der BHG befand sich ein Schlagbaum, wo ein Posten der NVA dafür sorgte, dass niemand vom Oberdorf ins Niederdorf kam und umgekehrt. Nach einigen Wochen und dem Tod von 23 Schweinen und 128 Notschlachtungen konnte die Quarantäne aufgehoben werden.

Bereits 1966 musste das rote Ziegeldach des Kindergartens durch ein Schieferdach ersetzt werden,weil es schon nach wenigen Jahren schadhaft war. In dem Zusammenhang wurde eine Wohnung für den Hausmeister und ein Schlafraum für die Kinder im Dachgeschoss ausgebaut.

Über die liebevolle Betreuung der Kinder hinaus erfolgte in den Jahren bis zum Ende der DDR eine systematische Schulvorbereitung in kindgerechter spielerischer Form. Der Dörnthaler Kindergarten wurde unter Leitung von Annelie Pauly von der Abteilung Volksbildung zum Konsultationszentrum für die mathematische Vorbereitung der Kinder auf die Schule bestimmt. Monatlich hospitierten Erzieherinnen aus dem ganzen Kreisgebiet in der großen Gruppe. Damals war es möglich, mit Vorschulgruppen nach Dresden in den Zoo oder nach Karl-Marx-Stadt auf den Weihnachtsmarkt zu fahren, weil die Kinder sehr selbständig waren und den Anordnungen der Erzieher folgten. Das Schönste für die Kinder, aber auch das Anstrengendste für die Betreuer waren die vierzehntägigen Ferienfahrten nach Rathenow an der Havel, die in den sechziger Jahren unternommen wurden. Zu dieser Zeit waren Urlaubsfahrten mit Eltern noch nicht üblich. In einem Ferienlager am See konnten sich die Kinder wunderbar erholen. Dass die Erzieher einen 24 Stunden – Dienst über 2 Wochen leisteten und für alles zuständig waren z.B. Einkaufen, Essenkochen, Beaufsichtigung beim Baden im See ohne Rettungsschwimmernachweis sowie Planung von Wanderungen, verdient aus heutiger Sicht größte Anerkennung. Gegenwärtig wären solche Aktionen schon wegen der gesetzlichen Bestimmungen undenkbar. Auch die Kinder haben heute andere Ansprüche.

Viel wurde von den Erzieherinnen und Eltern sowie von der LPG für die Verschönerung und Verbesserung des Kindergartens getan. So entstanden eine schöne Terrasse und ein kleines Planschbecken, das im Sommer mit Freude genutzt wurde. Im 20. Jahr der Gründung des Kindergartens 1982 schenkte die LPG der Einrichtung eine Finnhütte und mehrere Großspielgeräte. Einige Jahre vor der Wende nahm die Zahl der Anmeldungen für den Kindergarten solche Größenordnungen an, dass es in den Räumlichkeiten zu eng wurde. So erfolgte 1987 ein Anbau parallel zur Straße als Standort für die neue Küche. Die alte Küche wurde in einen zusätzlichen Gruppenraum umgestaltet.

Das Jahr 1990 bedeutete für den Kindergarten einen tiefen Einschnitt. Die Vorschulerziehung wurde aus dem Bildungssystem herausgelöst und dem Sozialwesen übertragen. Damit übernahmen die Kommunen die finanzielle und materielle Verantwortung. Die Eltern hatten nun einen beträchtlichen finanziellen Anteil für die Betreuung ihrer Kinder zu leisten. Das und die schnell beginnende Arbeitslosigkeit vieler Mütter vor allem nach der Auflösung der LPG führten zu einer rapiden Reduzierung der Kinderzahl in der Einrichtung. Dieser Rückgang konnte auch nicht durch die Aufnahme von Kindern ab zwei Jahren gestoppt werden. In diese Zeit fiel auch die neue zentrale Vorgabe, die Erziehung den Eltern zu überlassen und die Beschäftigung nach den Wünschen des einzelnen Kindes zu gestalten. Das musste zu einer Überforderung der Erzieher führen. Wenn Kindern ganz freigestellt wird, womit sie sich beschäftigen, lernen sie manche Dinge gar nicht mehr.

Als Lehrer in einem anderen Ort hatte ich schon bald die Auswirkungen dieser neuen Zielsetzung gespürt: Einige Schulanfänger konnten z.B. keine Mengen bis 5 mehr erfassen, brachten keine Schleifen an den Schuhen, konnten nicht mehr richtig mit Schere oder Farbe umgehen. Ich war stark irritiert, als sich Schüler der 1. Klasse bei einfachen Übungen in der Sportstunde reihenweise auf die Bank setzten und erklärten, dass sie nicht mehr mitmachen wollten. Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen und wurde nach kurzer Zeit von der Sächsischen Regierung wieder korrigiert. Ich glaube auch, die Dörnthaler Erzieherinnen haben in dieser Zeit ihre Arbeitsweise nicht sehr stark verändert.

1993 zog der Schulhort mit in den Kindergarten und die Einrichtung wurde damit zur Kindertagesstätte für das Alter von 2 - 10 Jahren.

Anlässlich des 35. Geburtstages erhielt die Kita den Namen „Haselmaus“ . Zu diesem Anlass wurden ehemalige Erzieherinnen und Kindergartenkinder, die inzwischen längst erwachsen waren, eingeladen und ein gemeinsames Fest gefeiert.

Im Jahr 2006 kümmerten sich die Erzieherinnen wieder um eine Zahlenschule, wo die Kinder Zahlen, Mengen und geometrische Formen spielerisch erfahren sollten. Seit 2010 können sie unter der Thematik „Haus der kleinen Forscher“einfache Experimente durchführen und naturwissenschaftliche Grunderfahrungen sammeln. In den folgenden Jahren fand jährlich um den Kindertag herum ein Fest zu unterschiedlichen Themen statt. Dafür trafen Eltern, Großeltern, Erzieherinnen und Kinder zusammen die Vorbereitungen und feierten schließlich auch gemeinsam.

In den Jahre 2008/2009 wurde das Äußere des Gebäudes saniert und mit leuchtend gelber Farbe versehen sowie auch die Inneneinrichtung zum Teil erneuert. Aus Anlass des 50. Geburtstages fand 2012 ein großes Fest mit vielen Spielen und kulturellen Beiträgen statt. Die Eltern führten das lange vorbereitete Märchen „Rumpelstilzchen“ auf. Die Kinder bedankten sich mit viel Beifall. Die Feierlichkeiten endeten erst spät am Abend.

2013 wurden die neu geschaffenen Horträume in der Schule eingeweiht und damit eine frühere Entscheidung korrigiert. Gegenwärtig stehen 70 Plätze für die Hortbetreuung in der Schule zur Verfügung. Im Kindergarten ist Platz für 35 Kinder, davon können 10 im Alter von einem Jahr aufgenommen werden.

Hoffen wir, dass die Stadtverwaltung auch künftig alles für die Erhaltung dieses Objektes tut und künftige Generationen an Kindern zur Zufriedenheit der Eltern hier betreut werden können.

Ortschronist von Dörnthal
K. Jablinski