Ein Dichter - ein Maler - zwei Walzwerker

Erinnerungen an Rudolf Seifert und Hans Börner

Olbernhau-Grünthal. Das Museum im Saigerhüttenareal zeigt im Rahmen einer Sonderausstellung ab 12. September 2021 das Wirken zweier hiesiger Volkskünstler: Rudolf Gustav Seifert (1920 –1990) und Johann Franz Börner (1912 – 1994). Obwohl beide ganz verschiedene Hobbys pflegten, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten dieser beiden Herren zu vermerken. Hans Börner und Rudolf Seifert stammten ursprünglich aus dem Sudetenland (Brandau bzw. Obergeorgenthal).

In den Nachkriegswirren fanden sie schließlich in Olbernhau-Grünthal, nach schweren Anfangsjahren, ihr Glück. Sie gründeten eine Familie, fanden im Blechwalzwerk Arbeit und gingen mit viel Elan und großer Ausdauer der Fortführung ihres Hobbys nach.

Hans Börner, dessen Geburtsname eigentlich Johann Franz war, wurde bekannt durch seine detailverliebte, präzise Malerei. Für ihn folgten Auszeichnungen und Ehrungen verschiedener Institutionen.

Auch Rudolf Seifert war `besessen` – vom Schreiben. Durch seine großen Vorbilder, Schiller und Joseph von Eichendorff, zeigten seine Gedichte oft eine klassische, romantische Vers- und Erzählform. Aber auch seine Reportagen über die schwere Arbeit im Blechwalzwerk wurden manchmal in der Presse veröffentlicht.

In der kleinen Ausstellung im Eingangsbereich des Museums sind nun neben Bildern und Gedichten auch Fotos, Dokumente und Zeitungsausschnitte zu bewundern. Dabei gibt es manch Kurioses und Interessantes zu entdecken.

Sohn Dietmar Seifert: „Mein Dank gilt allen, die zum Gelingen der Schau beigetragen haben – besonders Karin Schreiber (geb. Börner) sowie dem Museumsteam!“

Das Schaffen von Börner und Seifert hatte durchaus einen starken politischen Hintergrund. „Der Bitterfelder Weg“ sollte in der DDR ab 1958 eine programmatische Entwicklung der Kulturpolitik einläuten und den Weg zu einer eigenständigen „sozialistischen Nationalkultur“ weisen. Diese sollte den wachsenden künstlerisch-ästhetischen Bedürfnissen der Werktätigen entgegenkommen. Die vorhandene Trennung von Kunst und Leben und die Entfremdung zwischen Künstlern und dem Volk sollte überwunden, die Arbeiter und Bauern am "Aufbau des Sozialismus" umfassender beteiligt werden. Dazu sollten auch Künstler und Schriftsteller in den Fabriken arbeiten und Arbeiter bei deren eigener künstlerischer Tätigkeit unterstützen. Die im Wesentlichen von Staats-Chef Walter Ulbricht ausgegebenen Direktiven standen unter dem Motto: “Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische deutsche Nationalkultur braucht Dich!“.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Regiebetrieb

Museum Saigerhütte Olbernhau